Glücksaufsatz

Mir fiel heute leider etwas spät ein, dass der Glücksaufsatz gar nicht bis Montag sondern bereits bis morgen fertig sein sollte. Also … hier mein Aufsatz, halb schlafwandelnd geschrieben:

Glück – das ist ein Begriff, der seit jeher die Menschheit durchzieht. Diese fragte sich schon immer, was das Glück nun sei und wie man es erreichen könne, ohne seine Bedeutung jedoch vollends zu erfassen, zu begreifen.

Denn Glück ist ein Begriff, der sich durch seine Vielseitigkeit auszeichnet und deshalb nicht so einfach zu definieren ist wie manch einer es möglicherweise gerne hätte. Je nach dem wie das Wort im Sprachgebrauch verwendet wird, also zum Beispiel um welches Thema es sich handelt und welche Kommunikationspartner eine Rolle spielen, verändert sich die Bedeutung dieses Wortes. Geht es beispielsweise um einen Lottogewinn, eine neue Handtasche oder die Tatsache bei der anstehenden Vokabelabfrage gerade noch einmal davon gekommen zu sein handelt es sich um eine andere Art des Glücks als wenn es um die Rettung eines Lebens oder die große Liebe geht. Oft wird „glücklich“ im Alltag auch anstelle von „zufrieden“ gebraucht, was die Bedeutungen weiter verschwimmen lässt.

Sicher ist außerdem, dass jeder Mensch als individueller Charakter ein anderes Empfinden von Glück besitzt als andere Menschen. Dieses Empfinden begründet sich im Charakter des Menschen aber auch in seiner Erziehung und seinen bisherigen Erfahrungen: Lebt ein Mensch über Jahre hinweg unterdrückt und leidet, empfindet er ein kleines Glück wesentlich größer als ein anderer für den diese Art von Glück bereits alltäglich geworden ist. Die Maßstäbe für das eigene Glück setzt also jeder Mensch selbst. An dieser Stelle wurde in der Geschichte der Menschheit oft gefragt, wer glücklicher sei: Der Gelehrte oder der Bauer? Erhöht Intelligenz und Wissen unsere Ansprüche bezüglich des Glücks und sind weniger gebildete Menschen also glücklicher? Dieser Theorie lässt sich bis zu einem gewissen Grad, jedoch nicht vollständig, zustimmen. Betrachtet man beispielsweise in Armut lebende Kinder, so sieht man, dass viele von ihnen eine Lebensfreude ausstrahlen, die viele aus Deutschland nicht haben, obgleich sie weit weniger besitzen als wir, sind sie mit den kleinen Freuden – zum Beispiel einer selbst gebastelten Puppe – glücklich und verlangen nicht nach mehr, schlicht weil sie „mehr“ gar nicht kennen. Wir aber, die wir größtenteils unter angemessenen Lebensbedingungen leben, fühlen oft den Druck der Welt auf uns lasten, haben Zukunftsängste und andere Sorgen und wollen zu gleich immer mehr von dem was die Medien uns vorgaukeln, wir bräuchten es. An dieser Stelle lässt sich ein weiterer möglicher Grund finden, warum wir weniger glücklich sind, als wir hätten sein können: Durch Informationen die wir durch Nachrichten erlangen, wissen wir um die Lage ärmerer Länder und fühlen oftmals Mitleid. Wir nehmen war was in dieser Welt geschieht und registrieren, dass es nicht allen so gut geht wie uns. Dies könnte sich auf unsere allgemeine Stimmung niederschlagen, denn wie allgemein bekannt ist das Glück anderer notwendig um unser eigenes Glück zu finden. Dies betrifft zwar meist den uns nahestehenden Menschen, doch wirkt sich auch fremdes Glück auf uns auf.

Unglücklicherweise neigt fremdes Glück bei manchen Menschen auch dazu, sich negativ beispielsweise in Form von Neid auszuwirken. Dieser Neid ist insofern noch akzeptabel, dass den anderen ihr Glück noch nicht missgönnt wird, doch wenn dieser Fall eintrifft verliert der Neidische an Glückswürdigkeit. Denn glückswürdig ist nur, wer sich mit anderen für ihr Glück freut und sie dabei unterstützt, dieses zu erlangen. Hiermit ist nicht gemeint, dass man den anderen seiner Selbstständigkeit beraubt und ihm alle seine Aufgaben abnimmt, sondern dass man als Freund mit Rat und Tat zur Seite steht aber auch als Zuhörer Präsenz zeigen kann. Mitgefühl darf ausgesprochen werden, Mitleid jedoch ist erniedrigend und kontraproduktiv, wenn es um das Helfen geht. Denn Freiheit und eigene Stärke darf keinem Menschen abgesprochen werden, da diese wesentliche Faktoren auf dem Weg zur Glückseligkeit sind. Weitere Faktoren sind Vertrauen und Kommunikation. Denn begegnet man allem – auch seinem Glück mit Misstrauen und hinterfragt es ständig wird sein Glück nicht genießen und auskosten können. Fehlende Kommunikation sorgt dafür, dass einem möglicherweise Wege versperrt werden, die zum Glück führen könnten. Beispielsweise ist es sehr wichtig seine Wünsche zu äußern, statt von anderen zu erwarten, dass sie diese erraten. Da dies oft nicht geschieht, folgt als enttäuschende Konsequenz oft reine Frustration. Würden hingegen die Wünsche geäußert hätte der Gegenüber auch die Möglichkeit diesen entgegen zu kommen, und schließlich können bereits kleine Dinge wie nette Worte oder kleine Aufmerksamkeiten in einem Maße glücklich machen wie man es kaum für möglich hält. Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, dass jeder Mensch aus seinen Fehlern lernt, denn wenn keine Einsicht besteht einen Fehler begangen und dadurch möglicherweise andere Personen verletzt zu haben verliert man an Glückswürdigkeit. Außerdem ist es für die weitere Zukunft wichtig, dass man die Wege, die einen zuvor bereits in ein Unglück geführt haben, versucht zu vermeiden und neue Wege austestet, um den persönlichen Weg ins Glück zu finden, da es einen allgemein gültigen Weg, der für jeden Menschen mit Sicherheit zum Glück führt gibt es nicht, was an zuvor erwähnter Individualität einzelner Menschen liegt, die ihr Glück durch ihre Einstellung und ihre Taten auch selbst prägen. Oft angepriesen ist die Tugend ohne die es kein Glück gäbe. Dem stimme ich zu: Tugendhafte Handlungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Glücks, weshalb ein verantwortungsbewusstes Handeln mindestens ebenso wichtig ist wie die Berücksichtigung der eigenen Wünsche und Neigungen. Doch spielen äußere Umstände ebenfalls eine Rolle. Manch einer mag behaupten, dass diese nur ein Schein sind, kurzfristige Momente des „Glückhabens“, welche die Sehnsucht nach wahrem Glück betäuben, innere Unzufriedenheit überdecken und Unglück vergessen lassen. Diese äußeren Umstände sind aber mitunter lebensnotwendig oder auch „nur“ sehr erfüllend, dies können Familie, Freunde, Gesundheit oder auch finanzielle Absicherung sein. Wenn diese Umstände nicht gegeben sind, nützt einem alle Tugendhaftigkeit nicht um glücklich zu sein, schließlich ist dann ein Zeitpunkt der Leere oder der existentiellen Not gekommen, in dem man nicht mehr glücksfähig ist. Nun lässt sich argumentieren, dass eine tugendhafte Handlung auf Dauer jedoch zu Freunden etc. führt und man die Hoffnung darauf nicht aufgeben sollte, dies ist jedoch nicht immer der Fall. Der Tugend ist es nämlich nicht möglich jedes Unglück, welches aus Fehlen der passenden äußeren Umstände resultiert auszugleichen.

Somit habe ich einen weiteren wichtigen Faktor auf dem Weg zum Glück angesprochen: Die Hoffnung. Denn schließt man von a priori die Möglichkeit aus, dass man glücksfähig beziehungsweise glückswürdig ist, verschließt man sich diese Möglichkeit indem man eben das tut, da man fortan an seinem Glück vorbei läuft, ohne es zu erkennen und es zu ergreifen. Denn schließlich fällt einem das Glück auch nicht immer in den Schoß und meistens muss man eigene Aktivität zeigen, um welches zu erreichen.

Neben der Hoffnung ist aber auch die Akzeptanz von wichtiger Bedeutung: Sollte man in nächster Zeit kein großes Glück erfahren, so muss man versuchen, dies zu akzeptieren. Schließlich hält auch kein Glück ewig an. Kein Leben kann so verlaufen, dass ein Mensch stets glücklich ist. Doch ist es möglich zu lernen mit einer Periode des Unglücks zu recht zu kommen und zufrieden mit der Situation zu sein, in dem Wissen, dass man bald wieder Glück erfahren wird. Ist es einem nicht möglich sich im Laufe seines Lebens diese Einstellung anzueignen, versinkt man mit jeder weiteren Phase des Unglücks in Selbstmitleid und tiefe Trauer, was einen wiederum tiefer in das Unglück stürzt, wo es jetzt umso schwerer ist, wieder heraus zu finden und später wieder neues Glück zu erfahren. Der innere Frieden ist schlichtweg von entscheidender Bedeutung: Wenn man mit sich selbst im reinen ist und Rückschläge verkraften kann, so fällt es leichter das Glück zu erleben und später auch anderen Menschen auf ihrem Weg zum Glück beizustehen. – „Später“ schreibe ich weil es als glücklicher Mensch leichter fällt anderen zu helfen ebenfalls glücklich zu werden. Man wirkt authentischer und die Hilfe kann besser angenommen. Meiner Meinung nach ist es zwar möglich auch als unglücklicher Mensch Hilfe zu leisten. Dies kann sowohl in Form eines negativen Beispiels als auch in Form von Rat und als Zuhörer – und man muss kein glücklicher Mensch sein um dies zu tun, denn schließlich gibt es genug Menschen die überein großes Wissen verfügen oder sich selbst als schlechtes Beispiel ansehen und gegenteilige Thesen formulieren können – erfolgen.

Das Glück ist wie zu Anfang erwähnt also sehr vielschichtig und die Wege zum Glück einerseits kompliziert andererseits aber sehr einfach. Letztendlich muss jeder Mensch für dich entscheiden, welcher Weg für ihn der Richtige ist um langfristig Glück zu erfahren. In jeder Situation besteht für den Menschen die Pflicht sich zu entscheiden – oft zwischen der drängenden Pflicht und der überwältigenden Lust.

Grundsätzlich ist jeder Mensch glücksfähig und auch glückswürdig – erst im Laufe seiner Entscheidungen und der Entwicklung seiner Einstellung kann er an Glücksfähigkeit und Glückswürdigkeit gewinnen oder verlieren.

Der Point.

About these ads

3 Gedanken zu „Glücksaufsatz

  1. Wunderbar! :)
    Und regt immer wieder zum Nachdenken an…
    …ein tolles Thema, finde ich.

    Und was bedeutet das ‘ + ‘ jetzt für dich?

    Liebe Grüße,
    miko

    • Das + finde ich gut, denn so leicht ist es nicht, ein + von ihm zu bekommen. Außerdem zeigt es, dass meine Meinung irgendwie interessant oder zumindest nachvollziehbar und nicht komplett abwegig ist. Allerdings gibt es da einen Anflug von Neid auf die jenigen die ++ unter ihren Aufsätzen stehen haben. Aber vielleicht das das auch einfach daran, dass sie ihren Aufsatz schon vor Weihnachten schreiben mussten (weil sie eine Aufgabe schneller fertig hatten) und deshalb auch mehr als zwei Tage Zeit hatten…außerdem sind die beiden sowieso irgendwie privilegiert bei ihm. xD Danke jedenfalls! :)

      Der Point.

  2. Pingback: Rückblick und Ausblick und Feuerwerk « Nuss & Point

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s