Die Hinrichtung

Die sterile Luft schien an diesem Morgen zu schwingen. Es lag eine beinahe unmerkliche Spannung in ihr, die nur durch das Beben einer Gestalt gestört wurde, die in ihr herum lief.
Dunkel standen die Objekte gegen die langsam hereinbrechende Helligkeit und trübten diesen sonst so freundlich erscheinenden Tagesanbruch, es war, als könnte das Licht nicht weit genug vordringen, um den Tag einzuläuten.

Still stand er also da und wartete auf ihre Ankunft, die so gewiss schien, dass sich in ihm eine unfassbar zerrende Angst verbreitete, die in all seine Glieder strömte wie eine giftige Flut.

Es waren grauenvolle Richter und Vollstrecker, die ihn treffen würden. Sie würden grauenhaft mit ihm verfahren, ihn grauenhaft behandeln bis zu seinem Ende.
All die hässlichen Erzählungen seiner Freunde und Kameraden kamen ihm dabei in den Sinn und betäubten ihn augenblicklich, da er erkannte, dass er nun ein hilfloses Opfer war, den Händen der Vollstrecker ausgeliefert.

Sie hatten ihn rasch umstellt und ihren Fokus auf ihn gerichtet, sodass ihm keine Möglichkeit zur Flucht gegeben war.
Er sah seine traurige Vorahnung bestätigt.

Er fragte nicht nach Gründen, denn er wusste, dass sie keine hatten. Er dachte nicht daran, nach Gnade zu flehen, denn er wusste, dass sie keine hatten. Er wusste, dass es nun schon zu lange genug gedauert hatte, um noch einen Aufschub zu dulden.

Er gestand auf der Stelle und verlangte sonst nach nichts mehr. Er war am Ende angelangt und wartete nun auf den Vollzug, der ihm gleich gewährt werden sollte.

Still aus sicherer Entfernung wurde er dabei beobachtet.
Unscheinbar blieb der Neuling dort stehen, wagte keinen Schritt weiter und spürte doch den Drang, Etwas bewegen zu müssen. Nur konnte er nicht. Er konnte einfach nicht.
Er spürte, wie er sich verkrümmte, verzog und in sich zusammenbrach, doch immer noch konnte er nichts tun. Er konnte einfach nichts tun, wenn er es nicht tun wollte.


Doch andere wollten und ließen so den Einzigen sterben, der hier der Unschuldige gewesen war.

Die Nuss

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2 Gedanken zu „Die Hinrichtung

  1. “Doch andere wollten und ließen so den Einzigen sterben, der hier der Unschuldige gewesen war. Die Nuss” XDDD

    Interessante Bilder, das Licht sieht sehr gut aus auf dem Holz ^_^

    Dein Point.

    • So lässt sich das natürlich auch lesen, mir war das gar nicht klar. Aber gut, man sollte dem Leser immer viele Inerpretationsmöglichkeiten bereitlegen. :P

      Deine Nuss

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