Über das “uneingeschränkte Telefonvergnügen”

Kennt ihr das?
Ihr seid gerade umgezogen und wollt nun schnell das Wichtigste erledigen: Wichtige Möbel und Gegenstände an den richtigen Ort bringen, damit schon einmal das Überleben sichergestellt ist. Dann wollt ihr sicher auch möglichst schnell erreichbar sein, deshalb geht es fix an den Telefonanschluss.
Die Werbung verkündet, dass die Einrichtung “sofort” und “schnell” gehen sollte, also ist man auch als Laie beruhigt.
Doch was stellt man fest? Das Ganze arbeitet nicht, obwohl es das doch tun sollte, obwohl doch laut Anleitung alles richtig gemacht wurde.
Jetzt bleibt nur der Gang zum teuren Techniker.
Eine solche Situation möchte ich euch mit folgender Geschichte illustrieren. Hier handelt es sich zwar nicht um den ersten Telefonanschluss, aber um dieselbe, wiederkehrende Problematik.

Es ist ein Störzeichen, das mich empfängt, als ich den Hörer anhebe und an mein Ohr halte. Der Klang ist drückend und eindeutig. Es ist wie ein Warnschild, das beharrlich im Weg steht und deutlich demonstriert, dass ein Fortkommen an diesem Punkt „leider“ nicht möglich ist.
Es ist ein Störzeichen und es stört, stört, stört.

Der Gang in den Keller wird notwendig, schließlich sind noch nicht alle Optionen durchgekaut worden, schließlich muss noch einiges ausprobiert werden, denn „schwer ist das Ganze überhaupt nicht!“. Dann muss es doch zu machen sein!
Klare Sache also.
Als ich jedoch vor dem schwarzen Kasten, dem Modem, stehe, das endlich den „Weg freimachen wird für ein uneingeschränktes Telefonvergnügen“, kommt mir der Gedanke, dass ich eigentlich alles richtig gemacht habe, dass ich eigentlich nichts mehr tun kann.
Nun sollte es doch funktionieren, ist doch schließlich klare Sache, glasklar und transparent.
Dennoch funktioniert es nicht und deshalb muss ich weiter probieren, deshalb muss ich die Möglichkeiten noch weiter erschöpfen, es muss schließlich funktionieren. Es ist doch eine klare Sache.

Es ist ein Störzeichen, das mich empfängt, nachdem ich in das Esszimmer zurückgekehrt bin.
Der Klang überrascht mich seltsamerweise: Er ist drückend und eindeutig.

Das Warnschild leuchtet grell im Licht meiner Scheinwerfer, leuchtet so kräftig wie nie. Ich steige aus meinem Wagen und laufe an ihm vorbei.
Irgendwo in der Dunkelheit erblicke ich plötzlich eine Schrifttafel. Sie besagt eindeutig, dass ich nur „ein wenig Geduld haben“ müsse.
Geduld, Geduld, Geduld.
Ich steige zurück in meinen Wagen und wende vor dem Schild. In einer dumpfen Ruhe fahre ich wieder nach Hause.
Das ist nichts für mich.

Die Nuss

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6 Gedanken zu „Über das “uneingeschränkte Telefonvergnügen”

  1. wenn es um umbauen oder renovieren geht ist “schnell” ein wort, dass einen ziemlich großen spielraum besitzt… also schnell ging bei mir noch nie was was dieses thema betrifft…^^

  2. Ist es nicht immer so? ;) Funktioniert etwas nicht wird man vertröstet, ist immer alles halb so schlimm. Und dann sitzt man nach drei Monaten immer noch da und wartet dass allaes läuft wie es laufen soll.

    Drück dir die Daumen dass es bei dir bald funktioniert!

    • Danke. :)

      Ich hasse das Gefühl, total von irgendwelchen scheinbar launischen Leuten abhängig zu sein, selbst nichts ausrichten zu können, obwohl es doch eigentlich machbar ist, obwohl es eigentlich so locker sein sollte.
      Es provoziert dann ungemein so eine dämliche Broschüre zu lesen, die genau das verkündet.

      Die Nuss

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