Intimitäten?

Ist man in der Stadt unterwegs, trifft man logischerweise auf viele Leute. Die Meisten passieren einen und man passiert sie. Doch was geschieht währenddessen?
Augen, die sich lange betrachten? Ein Lächeln, das sich kurz zwischen den beiden Menschen abspielt? Denken beide später gar noch ein wenig über diesen markanten Augenblick nach?

Diese Fragen kamen mir, als ich gestern an einer Bushaltestelle wartete und gesehen habe, wie verschieden die Menschen an mir vorübergingen. Manche gingen einfach geradeaus ohne mich überhaupt groß zu mustern. Manche taten das ganz kurz und sahen dann wieder in eine andere Richtung, manche gingen dabei länger auf mich ein und sahen mir auch in die Augen.

Ein längerer Blick in die Augen mag nun auch etwas Intimes bei sich tragen und so fragte ich mich, wie lange und oft sich andere Menschen in die Augen zu sehen wagen. Habt ihr denn persönliche „Richtlinien“, oder strahlt ihr an einem guten Tag auch einmal eurem Gegenüber offen entgegen?

Ich, um meinen Beitrag zu Beginn zu leisten, bin ja eher der zurückhaltende Typ und erwidere Blicke wenn dann nur kurz, ehe ich mich abwende. Mir wird das manchmal gar zu intensiv und offen, zu kraftvoll. Ein Lächeln gibt es auch nur zu freundlichen Worten, etwa im Geschäft zu einem „Schönen Tag noch“.
Dabei frage ich mich, was falsch daran ist, sich einmal offen dem anderen auf der Straße zu zeigen, man breitet ja so nicht sein ganzes Leben aus.

Die Nuss

Advertisements

18 Gedanken zu „Intimitäten?

  1. Lächeln mich Leute an, lächle ich meist zurück, geht fast automatisch, ist wie ein Reflex. ^^
    Gibt aber auch Tage an denen mir Blickkontakt mit anderen unangenehm ist oder ich einfach keine Lust dazu habe. Starren mich Leute an (also wirklich starren) starre ich ebenso zurück, bis sie endlich weggucken. So im Allgemeinen mag ich Blickkontakt mit anderen, nur besagtes starren missfällt mir. Und wenn dann Menschen, 30+ und vom aussehen her wohl aus der Gegen von Pakistan/Indien/Bangladesch stammen oder abstammen mit einem gewissen Grinsen und Ausdruck im Gesicht wohl offensichtlich flirten wollen, schaue ich zur Seite. Nicht weil mir das unangenehm ist, sondern weil ich mir ’s lachen verkneifen muss. ;D

    • Erst einmal toll, dass es so viel ausführliche Resonanz auf meinen Eintrag gibt! Das freut mich. :)

      Ja, das Starren kenne ich. Mich macht das eher nervös und bringt mich aus der Fassung, glaube nicht, dass ich da selbstbewusst zurückstarren könnte. ;)

      Die Nuss

      • Ganz lange konnte ich das auch nicht, bzw. ging es mir da wie dir. Aber je öfter man das macht, desto leichter fällt es. Und solche anstarr-Menschen gehen mir einfach tierisch auf die Nerven, zumindest wenn total offensichtlich ist dass sie nicht starren weil sie was so faszinierend/schön/wie auch immer finden, sondern dass ein negatives starren ist.
        Vielen ist dass dann auch peinlich wenn sie beim starren „erwischt“ werden und gucken hastig zur Seite. Nur wenige halten dann wirklich noch Blickkontakt und selbst da nur die wenigsten mehr als ein paar Sekunden.

  2. ich wohn in wien, da ists nicht ratsam, leute anzustarren. iregndwie is das in städten anders als am land, kommt mir vor. da wird man schnell mal schräg angeredet oder männer verstehen das falsch. ich schaue eigentlich sehr selten fremden menschen in die augen. eigentlich nie. selbst wenn mir jemand gefällt oder so – so blöd es klingt, ich ‚trau‘ es mich gar nicht.
    wenn ich jemanden kenne dann schaue ich den leuten schon in die augen. aber nur, wenn ich sie gut kenne… sonst finde ich das immer komisch. eigentlich könnte man das richtig nutzen, aber ich kann das nicht wirklich…

    • Interessant, bei uns in Leipzig geht das eigentlich. Man muss da natürlich unterscheiden, aber bei den Meisten merkt man schon an Verhalten/Auftreten & Ausstrahlung dass man die besser nicht schief angucken sollte. Aber sonst… Nur nachst, da laufen dann natürlich gewisse Gestalten rum die man lieber ignoriert.
      Drüben (kleine Stadt bzw. Land) hatte ich ein ganz anderes Gefühl, da wurde man viel schneller dumm angemacht wenn man mal jemanden angeguckt hat.

      Wird daran liegen wo man ist. Und wie da die Allgemeinheit der Menschen so „drauf ist“.

      • ist ja lustig. ich hab eben schon das gefühl, dass bei uns am land viel ‚offener‘ geschaut wird. aber da wirst du schon recht haben. und in der nacht, klar. da schau ich sowieso niemanden an, wenn ich denn schonmal irgendwo unterwegs bin.

    • Das ist immer meine Befürchtung, dass Leute zu viel in meinen Blick hineininterpretieren könnten. Ich wüsste ja nicht, was ich groß auf ein „Was siehst du mich so an?“ erwidern könnte.

      Die Nuss

      • das stimmt natürlich auch. wobei ich oft menschen anstarre, weil sie iregndwas an sich haben, das mir gefällt. und ich finde es schade, dass man nicht einfach so komplimente machen kann. das würde bestimmt komisch kommen. dabei fände ich das eigentlich sehr nett.

      • Nunja, im Allgemeinen könnte man (in versch. Tonfällen) zurück fragen. „Wer sagt den dass ich dich angucke?!“ „Wo ist das Problem?“ Oder so Ähnlich. ;) Der Tonfall kann da, je nachdem wie man da angesprochen wurde variieren. Von freundlich bis neckend, ja sogar im abfälligen Ton kann man sowas sagen. Man natürlich auch (ganz unverblümt?) sagen warum man „starrt“. ;)

  3. Ich liebe in die Augen gucken, wenn ich einen Menschen interessant finde. Ich finde, wenn man die Augen eines Menschen ergründet, lässt sich so viel über ihn herausfinden. Augen können so viel, sie können nicht nur weinen, sondern auch lachen, melancholisch blicken, vorfreudig, interessiert, nervös, fröhlich. Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb ich beim männlichen Geschlecht als allererstes in die Augen gucke – nicht, weil ich auf bestimmte Augenfarben stehe, sondern weil ich mir einbilde, dann sein Wesen zumindest angedeutet erkennen zu können.
    Augen können Geschichten erzählen. Auch, wenn du jemandem nur flüchtig auf der Straße, im Vorbeigehen, in die Augen schaust.
    Deswegen mach ich das eigentlich meistens. Ich schaue selten weg, nur wenn ich mich durch Blicke wirklich belästigt fühle oder gerade so richtig schlecht drauf bin.

  4. Ich bin nicht so sehr die große Augenguckerin, aber dennoch habe ich in bestimmten Situationen so ein „Versuch Gute Laune zu machen“-Verlangen. Das ist zum Beispiel oft in Läden/beim Bäcker der Fall, dass ich denke, die Leute haben noch einen langen Tag vor sich bzw. hatten schon einen langen Tag hinter sich mit sicherlich auch vielen doofen, unfreundlichen, gehetzten, verärgerten, stressigen und wasauchimmer Kunden … da schadet doch ein freundliches Lächeln, ein Augenguck und ein „Tschüss, schönen Tag noch!“ nicht. Oder wenn Autofahrer anhalten und einen rüberwinken versuche ich mich meist mit einem Nicken/Lächeln erkenntlich zu zeigen. Dieses Verhalten taucht bei mir auch bei manchen Menschen auf wenn ich mit dem Fahrrad an ihnen vorbei fahre. Älteren Menschen wird öfters mal ein Blick und Lächeln geschenkt, sowie Müttern mit kleinen Kindern…. vor allem wenn das so eine Situation ist, dass das Kind ungeschickter Weise mitten in den Weg rennt und so eine stressige Situation für die Mutter schafft, will ich damit oft sowas ausdrücken wie „Kein Ding!“ ..
    Bei bestimmten Gruppen wie Gleichaltrige oder einfach Erwachsene ohne bestimmten „Bonus“ bzw wenn ich nicht ganz so gut gelaunt bin klappt das allerdings nicht so xD Da bin ich dann eher der Nichtgucker. UND es klappt vor allem eher wenn ich mich für den Fall des Falles schnell verziehen kann wie mir gerade einfällt wo ich von deiner Ratlosigkeit auf eine Frage wie „Was guckst du so?“ lese… meistens ist das ja so, dass ich danach den Laden verlasse oder mit dem Fahrrad weiter fahre….
    Nun ja. xD Ich bemühe mich jedenfalls offen zu sein, denn meistens kommt ja sehr positives Feedback bei raus bzw. man lernt auch die Menschen besser kennen.

    Der Point.

    • Ja, besonders bei Gleichaltrigen oder eher jüngeren bin ich zurückhaltender. Ich glaube, ich unterstelle ihnen damit, wenn auch nicht unbedingt bewusst, dass sie mit diesem Entgegenkommen nichts anfangen können. Glaube, um dieses Vorurteil zu lösen, muss ich jemanden dieser Gruppe schon (als nett) kennen.

      Die Nuss

  5. Schwieriges Thema, irgendwie.
    Ich würde generell sagen, dass ich auch eher der schüchternere Typ bin und andere Menschen eher weniger in die Augen sehe oder überhaupt länger angucke. Ist wahrscheinlich wirklich so ein bisschen die Angst davor, irgendwie gefragt zu werden, warum man jemanden anguckt. Was soll man da denn sagen?! Manche Menschen sehen aber auch einfach so interessant aus, dass ich sie gerne länger betrachten würde, wobei ich mir dann aber wiederum komisch vorkomme.

    Heute, als ich in der Stadt war, ist mir aber auch aufgefallen (dazu muss man vlt. sagen, dass ich deinen Beitrag heute morgen schon einmal gelesen hatte), dass ich anderen Menschen zwar gerne in die Augen sehe, aber irgendwie ein Problem damit habe, wenn sie den Blick dann erwiedern. Dann fühle ich mich irgendwie unsicher. Und trotzdem finde ich Augen (oder auch ganze Gesichter) sehr interessant. Sie sind so vielfältig und, wie die kleineblonde auch schon geschrieben hat, können sie Geschichten erzählen und die sieht bei jedem Menschen anders aus.

    • Hm, bei dir kann ich persönlich noch damit anschließen, dass ich es ziemlich spannend finde, mich einfach irgendwo hinzuhocken und die Leute einmal zu beobachten. Man sieht so viele unterschiedliche Gesichter, Stimmungen, Handlungen…
      Und dazu muss man nicht einmal auf Konfrontationskurs gehen, ist man doch der stille Beobachter.

      Die Nuss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s