Kritik und Enttäuschung

Oh man… ich merke es immer wieder. Ich kann überhaupt nicht mit Kritik umgehen! Ich will, aber es fällt mir so unglaublich schwer. Besonders was meine Fotografie angeht. Immer wieder fordere ich andere auf nicht nur lediglich „schön“ „toll“ zu schreiben, sondern sich auch kritisch mit meinen Fotos auseinander zu setzen…  was unweigerlich passiert, da ich eine recht vernünftige Flickrgruppe aufgetrieben habe, die die Fotos nicht nur mit einer Punktzahl zwischen 0 und 10 versieht sondern auch noch meist wirklich gute Kommentare dazu gibt. Ein Traum. Schließlich wollte ich das ja die ganze Zeit, oder? Dass sich jemand Zeit nimmt und meine Bilder so richtig zerpflückt. Damit ich mich verbessern kann. Ein Traum. Eigentlich. Theoretisch.

Denn in der Praxis merke ich immer überdeutlich, dass mir ein langweiliges „klasse!“ viel besser gefällt als „mir gefällt dies und jenes nicht und das hättest du auch anders machen müssen und das da ist auch nicht so toll – aber hm, die Bildidee ist ganz nett“ …. argh! Und statt die konstruktiven Vorschläge anzunehmen und mich gleichmal an einen zweiten Versuch zu wagen, sitze ich erstmal da:

Was? Das kann doch nicht angehen? Ich dachte das Bild wäre gut. Es ist eines der Bilder bei denen ich richtig zufrieden mit mir bin! Und dann kommt der mir mit Rauschen, pff! Und dann atme ich tief durch und versuche mich daran zu erinnern, dass ich diese Kritik ja eigentlich wollte. Dass ich ja mein Bild gezielt in die Gruppe reingestellt habe, um Kritik zu bekommen. Dass ich nicht erwarten darf, dass sie Kritik nur „mir gefällt dies und jenes und das hast du super hingekriegt und das ist auch richtig toll – aber hm, ein bisschen mehr Kontrast wär glaube ich besser“ statt „mir gefällt dies und jenes nicht und das hättest du auch anders machen müssen und das da ist auch nicht so toll – aber hm, die Bildidee ist ganz nett“ ausfallen kann.

Dann versuche ich eben so konstruktiv zu antworten. Ich will niemandem das Gefühl geben es lohnt sich nicht, sich bei mir Zeit zu nehmen, ich blocke sowieso an. Ich will, dass alle sehen, dass ich die Kritik aufnehme und bereit bin sie umzusetzen. Dann versuche ich zu zeigen warum ich dies und das so und nicht anders gemacht habe… und versuche mir selbst einzugestehen wo tatsächlich die Fehler liegen könnten. „Ja, mit dem Rauschen hast du wohl Recht, aber mit dem Bildausschnitt bin ich eigentlich ganz zufrieden“ … aber ich befürchte, es klingt dennoch wie eine lahme Ausrede, wie eine blöde Rechtfertigung.

Aber es kann doch nicht angehen, dass ich nur 4,5 Punkte bekomme? Andere Bilder, bei denen ich selbst wenn ich versuche alles ganz objektiv zu betrachten, kriegen 7,  8, 9, 10 und ich finde sie lange nicht so gut wie meins! Das kann doch nicht sein? Und dann beschleicht mich manchmal das Gefühl, es liegt vielleicht nicht nur an meinen Fotos. Sondern an mir. Weil ich die Fotos von anderen in meinen Kommentaren ebenso auseinanderpflücke, während andere oft mehr Punkte vergeben und fast nichts auszusetzen haben. Dann denke ich daran, dass mir in dieser Gruppe schon direkt gesagt wurde „Ich find dich unsympatisch“ und dann weicht ein bisschen die Enttäuschung über die schlechte Bewertung der Wut.

Aber ich versuche zu sehen, dass es nichts bringt. Dass mein Denken vielleicht auch gar nicht gerechtfertigt ist. Dass meine Fotos vielleicht wirklich einfach schlecht sind… dann bin ich wieder traurig.

Zum Glück steckt in mir genug Ehrgeiz, dass ich diese Berg- und Talfahrten weiterhin auf mich nehmen will. Zum Glück habe ich noch nicht aufgegeben mich wirklich verbessern zu wollen. Und weiterhin nach ehrlicher, konstruktiver Kritik zu verlangen.

Aber ich sollte gelegentliche einfache, schlichte „wow“s auch nicht gleich verteufeln. Denn die geben einem ja auch die Kraft so manchen niederschmetternden Kommentar durchzustehen. Zu lernen. Denn lernen kann echt verflucht anstrengend sein.

Der Point.

5 Gedanken zu „Kritik und Enttäuschung

  1. Ich verstehe gut, was du meinst. Ging mir auch schon ähnlich…

    Mir gefallen deine Fotos (oder zumindest die meisten). Sicherlich sind sie nicht perfekt, aber diese oft angestrebte Perfektion gibt es doch gar nicht. Man kann sich immer weiter entwickeln, aber es wird auch immer Leute, geben, die dann irgendwelche Fehler finden. Wenn man nur lange genug sucht, findet man in jedem noch so guten Foto „Fehler“. Und schlussendlich fließt auch immernoch eine gewisse Subjektivität mit in eine Bewertung.
    Und sollten die Leute deine Fotos tatsächlich nur so schlecht bewerten, weil sie dich unsympatisch finden, sind die selbst schuld. Die kennen dich nicht ;)

  2. liebe frau point, ich versteh dich sehr gut. mir gehts genauso. aber man packt halt immer ein stückchen seele in seine fotos und wenn das jemand kritisiert dann triffts einen im innersten. vor allem, wenn leute kritik nicht vorsichtig formulieren sondern mit dem vorschlaghammer kundtun.

    behalte immer im hinterkopf, dass dieses feedback nur subjektiv ist! und wenn DIR der bildausschnitt gefällt, dann brauchst du dihc auch nicht zu kümmern, was die anderen zu dem ausschnitt zu sagen haben. wenn du aber ein motiv hast, das dir gefällt, dass du aber nicht umsetzen konntest wie du wolltest, DANN nimm das in anspruch! dann tuts auch nicht ganz so weh (;

  3. Das Kernproblem „kritik nicht vorsichtig formulieren sondern mit dem vorschlaghammer kundtun“ hat paleica richtig erfasst.

    Wir alle sind Menschen mit Leidenschaften, die Leiden schaffen ^^.

    Ganz Generell gilt: In einem Haufem wildfremder Menschen, und als solche sehe ich deine Flickrgruppe, mus man sich Akzeptanz erarbeiten. Das gelingt durch fachlichen Sachverstand, der gut vermittelt wird und soziale Kompetenz, die beim Vermitteln hilft :). Und ganz wichtig: Viel Geduld und lieber einen Schritt langsammer, als gleich mit der Haustür in den Flur fallen.

    Ansonsten: „Kunst“ ist auch immer Geschmacksache. Also würde ich Kritik an „technischer Ausführung“ kritisch würdigen und Kritik an „künstlerischer Ausführung“ eher gering bewerten. (ähnlich hat paleica ja auch schon formuliert)

    also Kopf hoch point

  4. Ja, Kritik annehmen ist schwer. Paleica und KhunChang haben es schon gesagt, der Ton ist dabei sehr wichtig. Ich treibe mich viel in einem großen Fotoforum rum (allerdings nur als stille Mitleserin) und ich finde es schon übel in welch patzigem, ja schon aggressiven Ton manche da die Fehler bei anderen Bemängeln.

    Mir persönlich fällt es auch schwer Kritik anzunehmen, im ersten Moment überkommt mich da einfach enttäuschung. Wenn ich aber ein bisschen Zeit vergehen lasse (ein paar Minuten, manchmal auch länger) kann ich das schon anders sehen. Wie KhunChang auch meinte, es ist wichtig zwischen der Kritik an dem technischen und dem künstlerischen zu unterscheiden. Letzteres ist nämlich durch und durch persönliche Meinung.

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