Welt in Starre

Hier, also hier in Deutschland, hat sicher jeder etwas von der großen Katastrophe in Japan mitbekommen. Ja, ich denke, es ist so gut wie unmöglich, dem zu entkommen, wenn man nicht gerade in einer isolierten Höhle haust.

Heute im Zug, heute draußen vor dem Zug. Da waren (wissende) Menschen, da fuhren (trotzdem) Büsse, da wurden (dennoch) Dinge erledigt, da lebte unsere Welt wie unter der heiligen Käseglocke.
Dort draußen, irgendwo tiefes Wasser, Tote, hier Sonnenschein.
Morgen, morgen soll’s übrigens schön warm werden!

In Zeiten wie diesen fällt es einem Teil von mir schwer, endgültig anzuerkennen, dass der Rest der Welt nicht in eine Starre verfällt, fest fokussiert auf eine unfassbare Katastrophe, die tatsächlich wohl kaum einem richtig greifbar erscheinen wird.
Vielleicht liegt es daran.

Was weckt uns dann? Und was lässt uns gleich wieder erstarren?

Die Nuss

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24 Gedanken zu „Welt in Starre

  1. Aber wenn man sich anschaut wie manche auch hier total abgehen und (anscheinend) sogar weinen sieht man auch die andere Seite, die du hier mal schön ausgelassen hast +grins+

    Mich verblüfft beides. Sowohl die Distanz zu der Situation in Japan (aber auch nur, weil es vll nicht mehr lange nur die Situation in Japan ist, sondern auch anderswo, sogar auch hier) als auch diese umwerfende Anteilnahme und Betroffenheit.

    Ich denke, ich liege irgendwo dazwischen. Mich berührt das jetzt nicht sonderlich, allerdings kann ich mich auch nicht in Ruhe aufs Lernen konzentrieren, weil ich wissen will was genau da abgeht.

    Der Point.

    • So geht es mir eigentlich auch. Ich bin jetzt nicht so extrem berührt davon, aber Sorgen mache ich mir schon und ich würde eifnach gerne mal wissen, was da nn wirklich los ist. Die Nachrichten, die man so bekommt sind ja (zumindest teilweise) doch sehr widersprüchlich.

      Schlussendlich bleibt uns aber auch nichts anderes übrig, als zu hoffen und abzuwarten. Ändern können wir an der derzeitigen Situation sowieso nichts. Das wird jetzt irgendwie seinen Lauf nehmen.

      Und egal, wie das jetzt ausgeht, hoffe ich inständig, dass man hierzulande nochmal drüber nachdenkt, ob man die AKWs wirklich noch so lange am Laufen lassen sollte.

        • Ich glaube aber nicht, dass sie sich allzusehr davon beeinflussen lassen werden. Ich meine selbst allen die ständig betonen, dass AKW ja ach so sicher sind, wissen doch eigentlich trotzdem, dass sowas passieren kann. Dass eine Situation passieren kann, mit denen es schwer ist umzugehen.
          Diese Sache rüttelt vielleicht jene auf die so naiv waren allen zu glauben und darauf zuvertrauen, dass tatsächlich nichts passiert, aber bei denen die vorher sicher pro-AKW waren wird sich glaube ich wenig tun.
          Der Mensch sollte sich da ein Beispiel an meinen Zombies nehmen und etwas Hirn fressen ;)

          Der Point.

          • Oha. Zumindest wird schonmal hübsch gelabert, dass man die Laufzeitverlängerung nicht mehr durchziehen will. Mal gucken was davon dann auch in die Tat umgesetzt wird, reden kann man immer, besonders wenn man die aufgescheuchte Meute beruhigen muss.

            Lage hat sich ja leider eher verschlechtert als verbessert. >_> Weiter hoffen. Daumen drücken.

            Der Point.

            • Angie ist im Wahlkampf. Sonst nix. Es geht um Sieg oder Niedergang, zunächst in Baden-Württemberg. Dann folgen noch ein paar Wahlen. Und wenn die rum sind, streichelt Angie die Wunden der Energiekonzerne, ihrer Freunde.

                  • Ich wollte nur sagen, dass ich genau das doch auch mit dem meinte was ich zuvor schrieb: Dass die Politiker viel reden und versprechen können, aber was davon dann auch eingehalten wird in den Sternen steht. Und ich dich fragte wo jetzt dein ergänzender Punkt war, weil mir diese Wiederholung irgendwie verwirrt hatte, als hätte ich etwas vergessen?

                    Der Point.

                    • Nö. Nix vergessen. Andere Worte, um etwas auszudrücken. Vielleicht meinen wir das Gleiche, vielleicht etwas Ähnliches. Jeder versteht es doch sowieso, wie er/sie will. LG mayarosa

  2. Tatsächlich haben mein Freund und ich gestern bis spät in die Nacht Nachrichten(-Specials) geschaut und auch heute nach dem Aufwachen als erstes den Fernseher angeschaltet.

    Mich berührt das sehr, ich finde es schrecklich, was die Menschen dort in Japan erleiden müssen, und irgendwie finde ich es weniger schlimm, dass die radioaktive Wolke vielleicht hierher kommt, als dass die Japaner 3 große Katastrophen innerhalb eines Tages erleben müssen.

    • Eine radioaktive Wolke die hier her kommt ist dabei aber nicht mal so wahrscheinlich (ich meine wir leben so ziemlich genau am anderen Ende der Welt und werden von dem was da abgeht nur einen Bruchteil mitkriegen) wie die Tatsache, dass die Japaner noch mehr Schwierigkeiten kriegen: Etliche Nachbeben etc sind neben einer zerstörten Wirtschaft ja sowieso vorprogrammiert. Wir können froh sein, dass in Japan wirklich Experten sitzen die sich bestens auskennen und den Schaden in Grenzen halten UND dass die Japaner das insgesamt für eine Katastrophe solchen Ausmaßes sehr gelassen sehen. Kämpfernatur eben. ^^

      Der Point.

  3. Mich hat nicht nur die Katastrophe erschreckt, sondern auch, mit welchem Voyeurismus das Netz die Katastrophe begleitet hat. Ich sah gestern Videos von Menschen in Panik und hörte so manchen blöden Kommentar dazu, so als ob sich ein paar Leute einen Actionfilm anschauen. Dabei sahen wir in manchen Lifebildern Menschen beim Sterben zu! http://mayarosasweblog.wordpress.com/2011/03/12/tsunami-live-und-in-farbe/
    Und was die drohende Atomwolke angeht. Wir bewohnen alle denselben Planeten. Und ob die Strahlung bis nach Deutschland reichen wird oder nicht, sie wird Auswirkungen auch bei uns haben. Wenn nämlich Erdteile nicht mehr bewohnbar, weil für Generationen (!) verstrahlt sind, müssen die Menschen woanders hin.
    Und Japan zeigt uns noch etwas: Atomkraft ist NICHT beherrschbar, wie uns die Energieriesen in Gemeinschaft mit Unionsparteien und FDP vorgaukeln. Japan ist reich, modern und hat hohe Sicherheitsstandards. Aber wenn sowohl das Stromnetz als auch das Notstromaggregat ausfallen, dann wird es saugefährlich. LG mayarosa

    • Aber das ist eben noch lange nicht raus ob Erdteile nicht mehr bewohnbar sein werden, weil sie für Generationen verstrahlt sind. Wenn jetzt auf einmal alle Bewohner Japans auswandern würden, würde mich das doch sehr wundern. Ich finde, dass die Japaner sehr souverän reagieren – dazu zählt auch, dass sie sich bemühen Massenpanik und übereilte Flucht zu verhindern.

      Ich finde es übrigens gar nicht so erschreckend wie du, dass Livevideos gezeigt werden. Das hat nur bedingt etwas mit Voyeurismus zu tun. Sicher gibt es Sender die das Ganze ausschlachten aber Videos online zu stellen, die das Hereinbrechen der Wellen, wankende Hochhäuser oder die Explosion dokumentieren zähle ich nicht dazu. Viele Fotos und Videos stammen auch von Japanern selbst, die beim Erdbeben ihre Büros gefilmt und ihre Zimmer abfotografiert haben.
      Ebenso wenig finde ich es makaber, dass sich auch um die Wirtschaft Gedanken gemacht wird. Das hat nichts damit zu tun, dass keine Anteilnahme gezeigt wird. Die Medien sind überhaupt nicht für Anteilnahme oder nicht-Anteilnahme zuständig. Die Medien sollen informieren und die Welt dreht sich trotzdem weiter und die Wirtschaft ist ein wichtiger Aspekt dieses Weiterdrehens. Wenn man sich nicht um die kümmert, entstehen weitere Folgeschäden. Japans Wirtschaft ist genug angeschlagen, dass sie auf uns alle Einfluss haben wird – du selbst sprichst die starke Verknüpfung durch Globalisierung an. Deswegen ist Stagnation und alleinige Fokussierung auf die sterbenden Menschen nicht angebracht.

      Ich finde AKW auch nicht super. Ich finde AKW auch gefährlich. Ich bin auch gegen eine erneute Laufzeitverlängerung und für ein stärkeres Fördern der alternativen Energien. Aber so als einzelner kleiner Mensch ist es immer leicht zu sagen „So und jetzt schalten wir alle bösen, bösen AKW ab“ – so unabhängig sind wir dann nämlich doch nicht von den Dingern. So unwichtig sind sie nicht. Zu viele Dinge hängen damit zusammen und nicht jeder Bürger würde friedlich murmeln „Ja stimmt, verzichte ich mal auf dies und das und jenes, AKW sind zu gefährlich“ Schimpfen kann man immer über die Politiker, besser machen ist schwer, weil eine optimale Lösung eben nicht mal eben auf dem Präsentierteller liegt.

      Der Point.

  4. Lieber Point,
    ich finde es ja gar nicht grundsätzlich makaber, dass life-Videos gezeigt werden. Das wäre Quatsch. Dass jeder per Schlaufon Videos ins Netz stellen kann, hat Vor- und Nachteile. Was ich meine, sind manche Kommentare zu den Luftaufnahmen des Tsunamis, die ich gehört und die mich erschreckt haben. Sie waren nicht von offiziellen Medien sondern von privaten Wichtigtuern. Mal frei übersetzt aus dem Englischen: „Oh, guck mal. Cool ey. Was ’ne Welle. Fett ey. Boah, wie der rennt, Mann. Was ein Durcheinander in seinem Büro. Kleiner Messi …“ und ein paar blöde Lacher dazwischen. Das finde ich makaber. Diesen Jungs fehlte jede Sensibilität für das, was auf den Bildern geschieht. Ich glaube, die konnten nicht mehr zwischen Videospiel und realen Bildern unterscheiden.
    Und was die AKWs angeht. Wir sollten unsere Ansprüche nach unten schrauben. Klar, da werden welche maulen. Es maulen immer welche. Die Frage ist, wo wir die Prioritäten setzen. That’s life.
    Hier kannst du übrigens gucken, wie deine ganz persönliche Energieverbrauchsbilanz aussieht: http://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/page/personal_footprint/
    Was die Reichweite einer möglichen Atomwolke aus Nordjapan angeht. Das kann heute keiner sagen. Aus aktuellem Anlass erinnert die Süddeutsche an die Wolke aus Tschernobyl 1986. http://www.sueddeutsche.de/panorama/super-gau-von-tschernobyl-der-tag-an-dem-die-wolke-kam-1.1071246

    • Ja okay. Solche Kommentare habe ich noch nicht entdeckt, da war ich wohl auf seriöseren Seiten unterwegs.

      Zu den Ansprüchen: So leicht ist das ja eben nicht. Die AKW machen schon ganz viel aus. Nur weil wir jetzt aufeinmal nicht mehr das neuste Handy verlangen und das Licht öfter auslassen heißt das nicht, dass wir ohne AKW keine Energielücke hätten. Deswegen sag ich ja: Das Ziel ist nicht Ansprüche von uns runte rzu schrauben, sondern die Energie effizienter nutzen. Und gleichzeitig die alternativen Energien weiter fördern, damit wir irgendwann ganz auf die AKW verzichten können. Aber so einfach zu sagen „Stellen wir sie ab, schrauben wir eben unsere Ansprüche runter, wir müssen halt Prioritäten setzen“ ist das eben nicht. Wenn es mal eben so einfach wäre, wäre das längst passiert. Ich glaube, wenn wir sagen, dass die Politik doch nur ans Geld denkt usw. und uns hier sinnlos einer Gefahr aussetzt, sind sich die meisten nicht bewusst, was für eine Lücke zum derzeitigen Zeitpunkt entstehen würde und wie groß die Verluste wären.

      Bzgl. Auswanderung/Evakuierung: Bei Tschernobyl wurde im 30km Umkreis evakuiert. Also nichts mit „sämtliche Erdteile die nicht mehr bewohnbar sind“
      Bzgl. Atomwolke: Selbst wenn die Wolke Japans mit Tschernobyl zu vergleichen ist – Tschernobyl war auch wesentlich näher dran und es war nicht so viel Meer dazwischen wie jetzt. Jenachdem wie der Wind weht kriegen wir eher wenig bis kaum was ab denke ich.

      Der Point.

  5. Die Bilder und Nachrichten aus Japan sind schrecklich … auch mich haben sie sehr berührt. Ich hätte am liebsten heute morgen auch vor dem Fernseher verbracht und das Telefon angestarrt, auf den Anruf gewartet, der mir sagt, dass mein Da und meine Schwester in Sicherheit sind. Aber ich musste erkennen, dass ich nichts ändern kann … ich wusste nicht, wo ich anrufen oder nachfragen sollte, und auch sonst habe ich keine Möglichkeit gesehen, wie ich etwas tun kann. Hilflos – so fühle ich mich wenn ich die Bilder der eingestürzten Häuser und der rollenden Flutwelle sehe. Aber das ändert nichts an den Tatsachen. Also bin ich zur Arbeit gegangen … mit einem miesen Gefühl im Bauch, und den Gedanken zeitweise ganz woanders … habe freundlich gelächelt und meinen Job gemacht! Denn hier geht das Leben weiter.
    Inzwischen kann ich das ganze Geschwafel im Fernsehen nicht mehr hören … vor allem die vermeintlichen Experten! Ich denke, dass etwas getan werden muss für die Menschen, die in den Gebieten leben, die kein zuhause mehr haben … damit auch ihr Leben wieder die Chance hat ein normales zu werden … und nach getaner Arbeit darf dann gern diskutiert werden! Ich hasse diese Hilflosigkeit!

  6. Lieber Point,
    der Atomregen von Tschnernobyl ging unter anderem auch über Bayern nieder. Ich wohnte damals dort. Und es gab viel Angst, was man jetzt noch essen darf und was nicht.
    Und bis heute ist die Krebsrate in der Umgebung von Tschernobyl deutlich erhöht.
    Ehrlich gesagt möchte ich nicht warten, bis Krümmel oder Neckarwestheim in die Luft fliegt.
    Es ist kein Problem, zumindest die alten Meiler in Deutschland vom Netz zu nehmen und – wie es mal im Atomkompromiss ausgehandelt wurde – nach und nach die anderen.
    Das Zitat von Earny finde ich sehr passend.

    • Ja klar ging hier auch Atomregen nieder. Das hab ich ja auch nirgends gesagt. Sondern nur, dass das in diesem Fall eben weniger stark ausfallen wird weil es eben weiter weg ist (und vll auch nicht ganz so schlimm ausgefallen ist). Nähere Begründung hab ich ja schon in meinem Posting oben erläutert.

      Und bezüglich der erhöhten Krebsrate in der Umgebung von Tschernobyl bzw in diesem Fall Japan: Auch das habe ich nicht bestritten. Aber da du zuvor von nicht mehr bewohnbaren „Erdteilen“ gesprochen hast. Und „Erdteil“ klingt für mich nach mehr als „Die Umgebung Nordjapan“.

      Und bezüglich er AKW hier: Wie ich schon sagte. Für den 0815Bürger ist es leicht zu sagen „dies und jenes ist kein Problem“ … wir können nicht hinter alle Kulissen schauen. Aber da ich ja ebenfalls sagte, dass man nach und nach die AKW abschalten muss, wenn die alternativen Energien soweit gefördert wurden und wir Energie effizienter zu nutzen wissen, sind wir wohl grundsätzlich der gleichen Meinung diesbezüglich.

      Der Point.

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