Heute in einer Woche

Heute in einer Woche, am Samstag, schreibe ich mein Deutsch Abitur. Das sind noch genau sieben Tage. Sieben Tage, das klingt nicht sehr viel. Das IST auch nicht sehr viel. Aber sechs Tage, das ist noch viel weniger. Und mit einem Blick auf die Uhr – 23:33 – wird mir klar: In 27 Minuten kann ich nicht mehr sagen „Noch eine Woche“, sondern nur noch „In weniger als einer Woche“… und somit sind es auch jetzt schon nicht mehr „genau sieben Tage“, sondern „fast nur noch sechs“.

Vor vier Monaten hatte ich eine ganz verrückte Vorstellung. Es war im November, als ich mir gesagt habe: Bis zu den Weihnachtsferien habe ich alle Semester zusammen gefasst. Weihnachten werde ich mir diese Aufzeichnungen jeden Tag durchlesen und nebenbei jeden Tag ein paar Matheaufgaben lösen. Völlig utopisch. Das habe ich dann auch eingesehen, als ich in den Ferien anfing den Stoff zusammen zu fassen und quasi den lieben langen Tag nur mit der Zusammenfassung beschäftigt war. Aber ich wurde fertig. Und bastelte mir einen neuen Plan: Ich lerne jeden Tag, einmal die Woche lasse ich mich abfragen, jedes Wochenende stehen vertiefende Übungsaufgaben und vor allem Mathe an. Dann kam die Lernerei für die Klausuren, die Klausurenphase an sich und dann dachte ich mir, eine kleine Pause hab ich schon verdient. Und so war der Februar auch schon vorbei und der März klopfte an die Tür. Und ich hatte noch nicht gelernt. Das fing jetzt langsam an, aber eher halbherzig. Ich verwarf also meine utopische Idee und sagte mir:
Wenigstens jetzt hängst du dich richtig ein! Einen Monat in deinem Leben wirst du fleißig sein. Und dann ist es auch schon vorbei und du hast es hinter dir und bist glücklich, dass du so vorbildlich warst.

Und jetzt sitze ich hier. In 20 Minuten kann ich schon sagen „6 Tage bis zur Deutschprüfung nur noch“. Und ich lerne nicht. Ich habe den ganzen Tag kaum etwas gemacht. Ich kann mich nicht motivieren. Ich kämpfe mit meinem Schweinehund, der kleine Teufel. Er flüstert mir zu und lässt mich hier sitzen und bloggen und mein Engel, der eigentlich an meinen Haaren zubbeln und mir Kaktusstacheln in den Hintern pieksen müsste, damit ich mich endlich dazu bequeme fürs Abitur zu lernen, ist wie vom Erdboden verschwunden, falls es jemals da war.

Wenn ich jetzt wenigstens, eine genaue Vorstellung hätte, wie ich jetzt an die Sache heran gehen soll, würde ich sagen: Okay, meine Müdigkeit ist auszuhalten. Ich verbringe einfach die Nacht mit meinem Schulstoff. Wenn nichts mich ablenkt. Vollkommende Stille herrscht. Das Bett mich immer lauter ruft, und ich mir aber sagen kann „Nur noch dies“. Ich glaube ich könnte etwas erreichen.

Leider habe ich absolut keine Ahnung. Es ist so viel Stoff, der mich zu erschlagen scheint. Wo fange ich an. Und wie? Mit Deutsch? Meine erste Prüfung, aber auch das wohl leichteste Fach. Einfach den Stoff durchlesen? Langweilig, ich traue mir schon zu, dass ich weiß worum es in diesem und jenem Buch geht. Übungsaufgaben? So ein großer Klotz auf einmal erfordert Ausdauer, die ich nicht habe. Mathe? Meine zweite Prüfung, aber allein der Anblick der Aufgaben frustriert mich zu sehr, als dass ich mich damit befassen könnte. Politik? Meine dritte Prüfung und so komplex, dass ich jetzt schon anfangen müsste zu lernen – aber auch so komplex, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe. Englisch? Was soll ich denn da lernen, verdammt.

Frust. Genervt von mir selbst. Jetzt auf einmal doch unglaublich müde. Dezente Panikattacke. Und noch viel mehr. Nur nicht motiviert.

Der Point.

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5 Gedanken zu „Heute in einer Woche

  1. Ich glaube, so geht es den meisten Schülern vorm Abi. Irgendwie ist der tote Punkt gekommen, an dem man sich nicht mehr wirklich aufraffen kann. Mir gings auch so und ich habe mich damit genauso schlecht gefühlt wie du. Man weiß nicht mehr, wo und wie man anfangen soll und wie man das alles überhaupt bewältigen soll.
    Aus heutiger Sicht kann ich aber sagen, dass ich mir viel zu viele Gedanken ums Lernen gemacht habe. Als ich erstmal vor den Aufgaben gesessen habe – und man hat ja zum Glück eine relativ große Auswahl, muss also nicht alles können – lief es dann doch wie von selbst, denn dadurch, dass man ja doch alles nochmal irgendwie durchgegangen ist, ist doch mehr hängen geblieben als gedacht.
    Ich drück dir die Daumen, dass du das auch irgendwie gebacken kriegst. Mach dich nicht allzu verrückt, irgendwie klappt das schon. Und es sind ja auch „nur“ die finalen Klausuren, du hast doch schon viele Punkte durch die Kurse gesammelt und kriegst so oder so ein gutes Abi! :)

    • Ja, ich glaube du hast Recht. Ich meine eigentlich sind es auch nur normale Klausuren und im Gegensatz zu sonst hat man sogar eine Auswahl! Abe rmich schüchtert der Gedanke, dass ich sonst nur den Stoff von zwei Monaten und jetzt den von zwei Jahren drauf haben muss total ein.
      Zwar wird mein Abischnitt schlimmstenfalls (Alle Klausuren 5 Punkte) auch schon bei 2,5 liegen und ich denke der Fall wird wohl kaum eintreten ^^ – aber andererseits ist mein Traumschnitt von 1,9 auch nur möglich, wenn ich alle Arbeiten richtig gut schreibe. Und das ist leider fast genauso unwahrscheinlich, zumindest wenn ich jetzt nicht ordentlich lerne. Aber so wichtig scheint es mir nicht zu sein, wenn ich mich trotzdem nicht aufraffen kann…. ^^“
      Danke jedenfalls für deine Aufmunternden Worte, ich bemühe mich, Ruhe zu bewahren :D

      Der Point.

    • Muss dir vollkommen zustimmen. Das Abi und die finalen Klausuren werden überbewertet – und sind aus dem Nachabiblickwinkel ziemlich bedeutungslos. Zumindest wenn man erstmal einen Studienplatz hat.
      Ich glaube, ich könnte mein Zeugnis inzwischen auch verbrennen. Das interessiert kein Schwein mehr (Auch weil das Ergebnis nur sehr bedingt aussagekräftig ist).

      Von daher: Nicht zu sehr stressen lassen. Man sollte zwar schon lernen, aber nicht in Panik verfallen. Viel Erfolg bei den Klausuren.

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