[335/365] Reisetagebuch (40) Über den Wolken

[335/365]Aus den EXIF: Kit | 55mm | f/5.6 | 1/1000s | ISO 100



Es ist wirklich seltsam wie schnell man sich der Situation anpasst und sich an die Dinge gewöhnt.

Am Tag der Abreise habe ich noch gedacht, wie schade es ist zu gehen – bestimmte Dinge nicht mehr zu haben, wie Klebereis mit Mango, Wassermelonensaft, Chiliwurst, warm wenn man will und kühl wenn man zur Fernbedienung der Klimaanlage greift. Dass es aber auch schön ist, weil man andere Dinge dafür bekommt: Das eigene Bett, die Möglichkeit schöne Orte zu Fuß und mit dem Fahrrad zu erreichen. Verschiedenes.

Dubai 1

Plötzlich ging alles schnell. Der Abschied stand an und die Prioritäten verschoben sich. Wie blöd das ist, Tschüß sagen zu müssen. Nicht zu wissen wann … oder ob … man sich wieder sieht.

Dubai 2

Und schon war man am Flughafen und hatte mit Dingen wie Gepäckaufgabe, ein Flughafenabendessen, Handgepäckskontrolle, Sitzplatzfindung zu kämpfen. Im Flugzeug musste man es sich auf dem beengten Platz irgendwie bequem machen, sich aus dem Essen das heraus suchen was man mochte und dann irgendwie versuchen zu schlafen. Was natürlich nicht ging.

Dubai 3
Dubai 4

Im Flughafen Dubai angekommen hat man sich wieder beschwert, weil das alles nicht so war wie man wollte. Die Toiletten lassen zu wünschen übrig. Man muss was in den Magen bekommen, obwohl einem nicht nach Essen ist und einem ist egal wie man aussieht, wenn man den Kopf auf die Koffer legt und für einen Moment versucht die Augen zu schließen.
Ich weiß ja nicht wie das bei euch ist, aber auf so Langstreckenflügen, die einen schlauchen wie sonst was, kümmere ich mich meistens erstmal nicht darum wie ich aussehe. Die Haare fetten sowieso in Rekordsgeschwindigkeit und wie soll die Schminke so einen übermüdeten Zustand überstehen oder auch verbergen? Und auf Zwischenlandung im überfüllten Dubaiflughafen kann einem doch egal sein, was die Leute denken… viele sitzen ja auch in der gleichen Patsche und man kennt ja eh niemanden… eigentlich.

Uneigentlich sitzt man dann im Shuttle-Bus, der einen zum Flugzeug tuckern soll und sieht auf einmal in der anstehenden Schlange Lehrerinnen der ehemaligen Schule stehen. Sie kommen auf einen zu, ihr redet, sie sehen irgendwie fit aus, obwohl sie eine genauso lange Reise hinter sich hatten und die eine rettet auch noch deine Jacke vor dem Schicksal vergessen im Bus liegen zu bleiben. Die Welt ist klein und ungerecht.

Aber die Aussicht aus dem Flugzeugfenster entschädigt dich und du bist mit den Gedanken wieder ganz woanders. Denn endlich siehst du Dubai mal bei Tag. Du blickst auf eine braune, öde Landschaft. Mit großen Straßen und vielen Häusern und dort, dort türmen sich die vielen Wolkenkratzer. Deine Kamera macht Klick, Klick, Klick. Und die Kamera des Typens auf dem Sitz vor dir auch und du fragst dich ob seine Fotos besser geworden sind als deine, denn aus einem schmutzigen, kleinen Flugzeugfenster zu fotografieren ist gar nicht so leicht.

Above the clouds 1Above the clouds 2Weiter klickt die Kamera. Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Der Ohrwurm lässt sich nicht mehr los. Die Zeit vergeht langsam wenn man müde ist und nur noch landen will. Und wenn man landet und über das Klicken der Kamera den Druck auf den Ohren vergisst geht alles ganz schnell und es rummst und du bist auf dem Boden.

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Passkontrolle, Gepäckausgabe, wir werden mit Lollis empfangen. Danke, das war lieb. Die Taxifahrerin ist merkwürdig und sie hilft uns nicht die Koffer ein- oder auszuladen.

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Wir kommen nach Hause… ein Lächeln auf den Lippen als ich die Staubschutzdecke von meinem Bett ziehe und das „Welcome Home Post-It“ auf meinem Kopfkissen entdecke, dass ich in der letzten Minute vor verlassen des Hauses … zu Beginn der Reise dort hingeklebt hatte mit genau dieser Absicht. Ich hatte es tatsächlich vergessen. Schnell gewöhnt man sich an die große Arbeitsfläche in der Küche, das eigene Bett, vierlagiges Klopapier und sogar an die kleine Macke der heimischen Klospülung.

Und doch ist es seltsam. Während wir die Koffer ausräumen, liegt da noch von vor dem Urlaub diese Waage. Als würden wir sie nicht aus- sondern einpacken. Wiegen. Und unsere Reise beginnt wieder von vorne. Leider nicht.
Man denkt wieder an das, was man am anderen Ende der Welt zurück gelassen hat, trinkt aus einem Tetrapack mitgenommenem Thai-Orangensaft und freut sich auf das nächste Mal.
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Ich bin zu Hause. Aber die immer noch juckenden Stiche der Sandmücken (?) werden mich Thailand nicht so schnell vergessen lassen ;)

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7 Gedanken zu „[335/365] Reisetagebuch (40) Über den Wolken

  1. Sehr schöne Luftaufnahmen! Dubai finde ich sowieso total faszinierend, aber hier auch noch den Gegensatz zu Deutschland so deutlich zu haben, ist irgendwie krass. Da wirkt Dubai so trist.

  2. Awww, ich weiß warum du Flugzeugfotos magst. Bei mir gab es leider nicht so schöne Aussichten, aber deine Fotos sind echt klasse geworden!
    Kann ich mir auch gar nichts spezielles raussuchen, find alle gut.

    Das zweite sticht ein bisschen raus.
    Und von den folgenden dreien gefällt mir das dritte am besten. Der blaue Himmel, das etwas diesige <3

  3. Schon als ich „Klebereis mit Mango, Wassermelonensaft, Chiliwurst“ gelesen habe, habe ich vermutet, dass es um Thailand geht. Oh man, was würde ich jetzt für so einen Spieß geben und einen Watermelon Shake. Ich mag so gern zurück.

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