[361/365] Nicht auf Knopfdruck

[361/365]Aus den EXIF: Joghurtbecher | 50mm | f/2.0 | 1/50s | ISO 100

Nachdem ich gestern den Küchenschnappschuss gemacht hatte, war ich fest entschlossen, dass mein Projekt nicht mit solchen unmotivierten Fotos enden darf und packte den Kamerarucksack für einen frühmorgendlichen Ausflug in den Wald, bei hoffentlich wunderschöner Atmosphäre. Ich legte die Klamotten raus, stellte den Wecker, schloss die Augen… und von da an ging alles schief.

Statt schon um eins im Traumland zu sein hielten mich die Geräusche einer umherrschwirrenden Mücke wach. Irgendwann hörte es auf und wurde von einem penetranten Jucken an meinem Handgelenk abgelöst… ich schlief erst nach zwei ein. Als mich dann bei Weckerklingeln um halb acht nur ein grauweißer Himmel weckte war der Tag eigentlich schon gelaufen. Ich schlief weiter. Um neun Uhr sahen die Lichtverhältnisse immer noch nicht besser aus und ich konnte mich absolut nicht dazu motivieren in den Wald zu fahren.

Stattdessen stöberte ich durch Flickr und bewunderte schöne Fotos. Nur dass die Fotos, die mich in anderen Umständen vielleicht inspiriert und motiviert hätten, mich heute nur frustrierten. Ich stieß auf mehrere (teils beendete) 365-Projekte, mit ganz zauberhaften Bildern und einer deutlich erkennbaren Entwicklung und bemerkte, dass ich mir meinem Projekt vieles von dem was ich erreichen wollte, nicht erreicht habe.

Obwohl höchst unmotiviert, sagte ich mir, dass ich noch in den Wald gehen würde, sollte am Abend der Himmel entgegen der Erwartungen noch einmal aufreißen. Für den Notfall überlegte ich mir dieses Back Up Foto:
idea
Ich habe ein Buch zerschnitten. Ich habe ein Buch zerschnitten. Ich habe ein Buch zerschnitten. Und es ist verrückt, einerseits blutet das Herz und man hat ein ganz schlechtes Gewissen, obwohl man dieses Buch sicher nie mehr lesen würde, bzw selbst wenn: Es durchaus noch lesbar wäre… andererseits merke ich auch ganz klar, dass sich meine Prioritäten verschoben haben. Und ich mittlerweile für ein Foto auch ein Buch zerschneide.

Unterdessen zog der Himmel tatsächlich ein Stück weit auf und ich hoffte wieder ernsthaft auf schönes Licht am Abend. Leider war wenig später wieder eine dicke Wolkendecke am Himmel… Wetterberichte im Internet sagten auch nur, dass es zum Abend hin immer schlechter werden würde, also schloss ich mit dem Wald ab und wollte wenigstens ein Brot kaufen gehen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, denn in dem Augenblick als ich los maschieren wollte, fing es an ordentlich zu gießen. Plötzlich klopfte die Motivation wieder an und überredete mich zu Regenschirmfotografie. Dabei würde ich nicht zu sehr nass werden und müsste auch nicht zu weit weg. Alles zusammengepackt und los gings.

Kamera, eingehüllt in eine Plastiktüte, auf dem Stativ. Und ich, bewaffnet mit blauem Regenschirm und Fernauslöser, maschierte die Straße rauf und runter. Garantie für doofe Blicke und Kommentare – und glücklicherweise auch eine nette Begegnung, die das ganze in Waage hielt: Ein Junge stieg von seinem Fahrrad und fragte sehr höflich, was ich denn da gerade mache, und ich sagte ihm, dass ich gerade die Regentropfen auf dem Schirm fotografiere (was ich tat, nachdem ich einsah, dass die anderen Fotos nichts werden würden) … er war verwundert aber interessiert und ragte mich nach dem Grund, woraufhin ich erklärte, dass mir das Fotografieren Spaß macht und ich deswegen so ein Projekt am Laufen habe… nur dass mir aktuell die Ideen ausgingen und ich daher hier gelandet wäre. „Verrücktes Hobby“ sagte ich, und er stimmte mir zu, wünschte mir aber noch viel Spaß und dass ich nicht zu nass werde. Und radelte davon. Richtig lieb. Tröstete mich aber nicht darüber hinweg, dass auch die Wassertropfen auf dem Schirm nichts werden wollten.

Es ging also wieder nach Hause, wo ich schon im Flur feststellte, dass das so nicht ging. Da hatte ich mich extra im Regen aufgerafft und würde kein einziges brauchbares Foto davon abliefern?? Nein. Also ging es gleich nochmal raus, diesmal ohne Schirm, denn der Regen hatte mittlerweile etwas nachgelassen. Dann ist das herbstliche Tagesfoto entstanden, von dem ich auch alles andere als begeistert bin. Aber auf den anderen gucke ich irgendwie sehr verkrampft …

Dann habe ich noch das Brot gekauft und mich für heute von der Fotografie verabschiedet. Raus aus den nassen Klamotten, Bilder vom PC auf die Speicherkarte. Und was sah ich draußen am Himmel? Er zog auf. So richtig. Mit schönem Licht und allem. Glücklicherweise war ich so müde, dass ich glatt für ne halbe Stunde eingenickt bin, so dass die Gedanken „geh ich doch in den Wald/nein, bis ich da bin ist es wieder dunkel/geh ich dann wenigstens aufs Feld/nein, ich hab jetzt echt keine Lust“ nicht zu weite Kreise ziehen konnten. Denn als ich aufwachte, war es schon zappenduster.

Zum krönenden Abschluss, hatten wir noch Probleme mit dem Internet. Juche!

Ich hab auch gar keine Lust mehr, mich jetzt dazu zu motivieren, dann doch morgen in den Wald zu gehen. Auf noch so eine Kette von Enttäuschungen kann ich gerade echt verzichten. Ein schönes Ende für mein 365-Projekt ist also erstmal nicht in Sicht – sowas funktioniert halt leider nicht auf Knopfdruck.

Musik: The Windy City – Games

9 Gedanken zu „[361/365] Nicht auf Knopfdruck

  1. Aber das Foto mit dem Buch ist ja wirklich eine tolle Idee (haha, wie passend) – ich hoffe, es ermuntert dich jetzt etwas ;) Fotos im Regen habe ich auch noch nie gemacht – möchte ich aber unbedingt bald machen! Ich weiß nur noch gar nicht, wie ich die Sache angehen soll ;)

  2. Du hast ein Buch zerschnitten. Du hast wirklich ein Buch zerschnitten. Du. Hast. Ein. Buch. Zerschnitten. *faint*
    Also. Nicht falsch verstehen. Mir gefällt das Foto richtigrichtig gut und es ist definitiv was anderes. Aber die Vorstellung, ein Buch zu zerschneiden…. Ich könnts nicht. (Noch nicht?)

    Ich glaub, bei der Fotografie ist es wie mit der Liebe: „Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun.“ (Aus „Die Mitte der Welt“ ♥) Und ich bin der Meinung, wenn man mit vollem Herz fotografiert – so wie Du – macht man dafür auch verrückte Sachen. Hier eben, ein Buch zu zerschneiden, was Du Dir früher nicht hättest vorstellen können. Und etwas was wir alle immer wieder für unsere Fotos machen: Vor anderen Menschen in deren Augen völlig lächerlich. Aber darum geht es ja nicht. Sondern darum, mit Herz & Spaß bei der Sache zu sein.

    Auf Druck funktioniert selten was. Und ich denke, je weniger Du Dir denkst, dass Dein Projekt mit schönen Fotos enden muss, desto eher wird es so kommen. :)

    Bei Deinem Tagesfoto stört mich das Blatt direkt vor Deiner Strin. Es springt mich an weil es durch den Schärfenverlauf teils so aussieht, als sei da jemand mit dem Wischfinger dran gewesen. Ansonsten mag ich es aber. Sieht so ein bisschen aus, als wolltest Du zu jemanden sagen: „Komm mit, ich zeig Dir was.“

  3. Ach man du. Das tut mir so Leid, dass aus all deinen tollen Plänen nichts wurde. Finde aber, dass der Wille zählt, und die Fotos sind ja auch gar nicht so schlecht geworden :)

    Das Buch O.o Da zerschneidest du es schon, und dann wird es nichtmal Tagesfoto? Finde es ziemlich genial. Und es war halt ein Opfer!!

    Während dein Selbstportrait zwar ganz nett ist, aber nichts Neues unbedingt. Wieder deine schöne weiche Bearbeitung, wirklich schön :)

    Aber das BUCH! Um welches Exemplar handelt es sich denn?

    • ein gaaaanz altes kinderbuch. detektivgeschichten-mäßig. ich wollte es nicht als tagesfoto, weil die idee an sich ja schon total ausgelutscht ist und meine ursprünglichen pläne für den tag ja eher richtung selfie gingen ^^

  4. nein, das funktioniert nicht auf knopfdruck. ABER: ich mag das tagesfoto und ich finde die idee großartig, obwohl ich auch meine schwierigkeiten hätte ein buch zu zerschneiden (;

  5. Ich hätte das zerschnittene Buch als Tagesfoto genommen. Auch wenn die Idee nicht neu ist. Du hast sie sehr schön umgesetzt UND du hast ein Buch zerschnitten!!
    Gefällt mir auch besser als dein Selfie. Das unscharfe, verwischte Blatt an deiner Stirn stört mich. Ansonsten ist es aber auch ganz schön. Hat auch so etwas schönes, herbstliches.

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