Kleine Gedichtesammlung

Als meine Freunde und ich vor ein paar Wochen gemeinsam auf dem Sofa saßen und uns Thailand noch einmal in Form eines Quatsch-Gedichts durch den Kopf gehen ließen, war mir plötzlich danach, meine Erlebnisse mal wieder in Worten statt in Bildern zu verarbeiten.
Bevor das mit der Fotografie angefangen hat war ich ja mehr der Mensch für Kurzgeschichten und hin und wieder auch für Gedichte. Irgendwie war es ganz nett das mal wieder neu zu entdecken, einzelne Momente und das grobe Konzept der damit verbundenen Gefühle irgendwie in Worte zu fassen.
Und da ich die Ergebnisse dieser spontanen Aktion nun auch jetzt noch ganz okay finde, dachte ich mal, ich kann sie vielleicht auch mit euch teilen. So beim Durchlesen wurde dann auch noch einmal eine Kugel angestoßen und es kam wieder neues dazu, was nicht mehr so eng mit Thailand zu tun hat, aber jetzt trotzdem auch noch hier seinen Platz finden soll :)

~*~

Fester Boden unter Füßen,
und dies Land, es will mich grüßen,
mit Armen kühl-vertraut,
in mir wird die Sehnsucht laut.

Nach Anderswo, weg von hier,
und am liebsten ja mit dir,
in der Sonne lachen,
endlich Schluss mit Sorgenmachen.

Fernweh ist nicht, was ich meine,
Heimweh ist, weshalb ich weine,
Heimat in der Ferne liegt,
immer wieder Sehnsucht siegt.

***

Ewigkeit ist nichts
für hier, wollen wir träumen
wie Quallen schmerzen

***

Zueinander finden
kostet Kraft, du hilfst mir
den Schlüssel zu suchen

***

Schöne Zeit kann nicht nur Traum sein,
manchmal scheint mir: aber doch.
Dann sehe ich mir Bilder an
und sehne nach fernem Land.
Wo die Straßen staubig sind
und die Sonne Lieder singt.
Wo das Meer die Sinne weckt
und Leben mehr als Leben ist.

***

Befreit singen wir
laut das Lied der Helden
Die Nacht lauscht gespannt

***

Hundert Flötenspieler
auf den Lippen sind wir uns
im Herzen so nah

***

Lautes Pochen als es seine Arbeit tut,
hütet sein Geheimnis gut,
wie das Blut die Bahnen geht,
verrät nicht wie das Herz fast steht.

***

Wir haben die Fäden gesponnen
und einen dichten Strang geflochten.
Wir haben uns Kleider genäht
und das jeder für sich.

***

Glas zerbricht in tausend Stücke,
Scherben funkeln hell im Licht.
Was füllt jetzt die große Lücke?
Jetzt wo ich weiß, du bist es nicht.

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Dein Bauchnabel

Ich liebe dich. Ich liebe dich wirklich. Alles ist schön mit dir, weil die Sonne lacht wenn wir zusammen sind und der Regen tanzt wenn wir uns küssen. Du bist wirklich perfekt, na ja, fast. Aber jeder Mensch hat seine Makel und ich liebe dich schließlich trotzdem. Ich hasse den Spruch „oder vielleicht gerade deswegen“ aber der passt hier ohnehin nicht. Weil, dass du deine Schuhe immer mitten im Flur rumfliegen lässt oder leere Milchtüten zurück in den Kühlschrank stellst – das sind doch keine Makel. Zumindest nicht für mich. Diese Dinge zeichnen dich aus, machen dich so liebenswert wie du bist. Nein, Makel sind etwas anderes.

“Mmmh, ich will dich…“, flüsterst du sanft in mein Ohr und küsst neckend und zugleich verlangend meinen Hals. Meine Arme, die schlingen sich wie automatisch um deinen schönen Körper, während wir uns Richtung Schlafzimmer bewegen. Wir sind ein gutes Team. Wir haben guten Sex. Selbst nach vier Jahren noch immer spannend, immer aufregend, immer neu. Ich greife dir in deine schönen Haare und du küsst mich auf meine nackten Brüste. In mir kribbelt alles und ein warmer Schauer läuft mir über den Rücken – überrascht mich immer wieder aufs Neue.

Nur eines ist nicht neu. Als du dir deinen Pullover über den Kopf ziehen möchtest – nur dazu ansetzt, ein kleines bisschen, überkommt mich die alt bekannte Panik. Mein Herz klopft schnell und ich schüttele den Kopf, greife deine Hände und lege sie zurück auf meine Brüste, die sich dir entgegen wölben. Du siehst mich wie immer leicht fragend an. Du verstehst es nicht, wirst es auch nie, aber du hast es längst akzeptiert. Dass du dein Oberteil nie ausziehen darfst. Es tut mir auch sehr Leid, doch ich kann nichts dafür.

Er widert mich an. Dein Bauchnabel.

Der Point.

Staudamm der Worte, oder: Ein Aufruf zum Öffnen

Die Dinge sind getrost der Vergangenheit anzurechnen, denn schließlich ist es jetzt alles vorbei, alles soweit geklärt und in die Wege geleitet worden.
Zögere also nicht und nimm‘ deinen Weg direkt durch all die Schranken, die sich vor dir niedersenken, die ganzen Begrenzungen, die du noch in der Vergangenheit fürchten musstest.

Die Melone auf deinem Schreibtisch, der verärgerte Vetter deiner müden Sekretärin, der Singsang dummer Geigen, das kraftlose Widerstreben des Paradiesvogels in letztem Eifer umgeben von gleißendem Gold.
All das wird möglich, wenn du nur zu gehen wagst.
Also öffne dich endlich, du dämlicher Schnösel mit den gebundenen Handwerkerhänden!

Die Nuss

Schwindelgefühle

Ein weiterer kreativer Dialog von mir uns meinem Schatz – und wieder wussten wir jeweils nur das letzte Wort und Satzzeichen vom anderen:

 

Die Nuss: „Mir ist so schwindlig, hilfst du mir?“
Der Point: „Ich weiß nicht, ob ich das kann, Kathrin.“
Die Nuss: „Nein, diese Frau ist mir suspekt…wobei eigentlich ist sie doch ziemlich hübsch anzusehen!“
Der Point: „So etwas Hässliches möchte ich nur äußerst ungern angucken.“
Die Nuss: „Meinst du?“
Der Point: „Nein, wohl eher du!“
Die Nuss: „Ach komm mal von deinem hohen Ross runter, das ist doch unfassbar!“
Der Point: „Das finde ich auch!“
Die Nuss: „Wirklich?“
Der Point: „Aber sicher doch.“
Die Nuss: „Nein, das bezweifle ich, zumal ihre Rundungen für jeden Mann eine gewisse Magie enthalten.“
Der Point: „Ich brauch jetzt erstmal eine Tasse Tee.“
Die Nuss: „Danke, aber ich nehme lieber den Kaffee.“
Der Point: „Nein danke, Kaffee ist mir zuwider.“
Die Nuss: „Komm schon, der Zucker ist doch eine pure Pracht!“
Der Point: „Ja, so prachtvoll wie die fette Kuh auf der Straße vorhin.“
Die Nuss: „Lassen wir das jetzt, mir ist wieder schwindlig geworden!“
Der Point: „Hoffentlich, seh ich nicht auch irgendwann so aus.“
Die Nuss: „Mir ist aber schwindlig!“
Der Point: „Oh Gott, Kathrin, setz dich lieber!“
Die Nuss: „Stimmt, dann setze ich mich am Besten einmal hier auf den Boden.“
Der Point: „Ich kann dir eine Decke bringen, dann ist es nicht so kalt.“
Die Nuss: „Ahh, widerlich, du hast Recht, verdammter Winter!“
Der Point: „Das dürfte deine geringste Sorge sein, schließlich hast du ja John.“
Die Nuss: „Er ist so ein widerlicher Mistkerl!“
Der Point: „Ich dachte ihr wolltet heiraten?“
Die Nuss: „Ich sage es einfach wie mein Vater: Lass die Finger von den Männern oder sie werden dir noch einmal das Herz zerbrechen!“

Nuss & Point

Das muss man Harry erzählen!

Eine letzte Konversation…

Der Point: „Ich liebe dich!“
Die Nuss: „Tatsächlich? Das hätte ich nicht erwartet.“
Der Point: „Ich weiß nur nicht wie ich weitermachen soll, es ist so schwer.“
Die Nuss: „Wirklich? Ich denke, es ist leicht, das für sich selbst herauszufinden.“
Der Point: „Das müssen wir unbedingt, denn ich kann so nicht weiter leben.“
Die Nuss: „Oder sterben, oder gleich sein Testament unterschreiben.“
Der Point: „Also was schlägst du als Lösung vor?“
Die Nuss: „Nein, das wirklich nicht, ich liebe das Leben!“
Der Point: „Aber du hast mich betrogen und das kann ich nicht einfach so vergessen!“
Die Nuss: „So etwas vergisst man nicht, meine Liebe.“
Der Point: „Ich weiß, und trotzdem: es geht nicht.“
Die Nuss: „Weißt du eigentlich, weshalb dein Regenschirm neulich in meinem Flur lag?“
Der Point: „Ja.“
Die Nuss: „Dann sag es mir doch!“
Der Point: „Versprich einfach, dass du sie nie wieder triffst.“
Die Nuss: „Du bist genau wie dein Vater.“
Der Point: „Was hat mein Vater mit all dem zu tun?“
Die Nuss: „Ich würde mich niemals von meinen Eltern in dieser Intensität beeinflussen lassen.“
Der Point: „Das kann ich nicht glauben!“
Die Nuss: „Nein, will ich nicht.“
Der Point: „Verschwinde aus meinem Leben!“
Die Nuss: „Genau!“
Der Point: „Na dann, du weißt wo die Tür ist.“
Die Nuss: „Du bist so schön, wenn du solche Dinge sagst.“
Der Point: „Es ist egal ob ich dich liebe oder nicht, schließlich liebst du mich nicht ausreichend!“
Die Nuss: „Nicht nur ausreichend, sondern überragend.“
Der Point: „Ich hätte es schon längst sehen müssen.“
Die Nuss: „Das ist nicht dein Ernst, oder?“
Der Point: „Das hätte nichts geändert.“
Die Nuss: „Das ist doch furchtbar!“
Der Point: „Das hast du selbst zu verantworten.“
Die Nuss: „Nun gut, da hast du recht.“
Der Point: „Und jetzt geh, bitte.“
Die Nuss: „Ja, nimm den Schirm ruhig wieder mit.“
Der Point: „Das werde ich bestimmt nicht!“
Die Nuss: „Schade, dann behalte ich den Schirm, Harry wird’s freuen.“
Der Point: „Wie schön für dich, aber ich will von dir nichts mehr wissen.“
Die Nuss: „Oh ja.“
Der Point: „Und jetzt hau ab.“
Die Nuss: „Das muss ich Harry auch erzählen, er wird sich höllisch darüber freuen.“
Der Point: „Ich hasse dich!“

Dieser Dialog ist aus Langeweile und einer Prise Kreativität entstanden: Wir wussten jeweils nur das letzte Wort und das Satzzeichen des Satzes vom anderen. Hat Spaß gemacht!

Nuss & Point.