Koh Phayam

In diesem Urlaub steckt so viel Herzblut. Die Wochen hatten ihre Höhen, und wie im letzten Eintrag ja anklang, auch ihre Tiefen. Aber während letztere meistens in einer der hinteren Ecken meines Inneren vor sich hinstauben, sind die Gedanken an die Höhen noch sehr oft präsent… und mächtig. Ich kann getrost behaupten, dass sie mit zu meinen schönsten Erinnerungen gehören und auch jetzt, vier Monate später, tut es fast weh daran zu denken, weil es so wahnsinnig schön war und die Sehnsucht nach dieser Zeit so groß ist. Das klingt albern, das klingt eklig-kitschig-schnulzig, aber es stimmt.
Koh Phayam IslandKoh Phayam IslandJetzt aber von vorne.

Aus Chiang Mai zurückgekehrt wurden erst einmal mehrere Trommeln Wäsche gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich in einer wirklich perfekten Jahreszeit dort war? Bisher kannte ich ja eigentlich nur die Regenzeit. Mein eines Mal, welches ich im Sommer da war, liegt schon viel zu viele Jahre zurück und ich kann mich gar nicht daran erinnern. In der Regenzeit ist es zwar auch schön warm, aber die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und nachmittags oder abends fängt es gerne mal an zu schütten. Teilweise geht da das Wäschetrocknen auf der Leine nicht unbedingt schnell, obwohl es warm ist. Diesen Urlaub hatte ich keinerlei Probleme mit Regen. Ich glaube zweimal hat es über Nacht ein bisschen geregnet, einmal habe ich sogar tagsüber kurz ein Nieseln mitbekommen. Und ansonsten hatte ich bis auf einen Tag kurz vor Abflug, wo es dann einmal geschüttet hat (ich aber im Auto saß) keinen Kontakt mit Wasser vom Himmel. Das Trocknen ging also schnell und so konnten die Klamotten, die ich mit an den Strand nehmen wollte, am nächsten Morgen eingepackt werden. Ich lasse mal an dieser Stelle verlauten, dass ich VIEL ZU VIEL dabei hatte. Eigentlich verbrachte ich die kompletten Tage entweder im Bikini, in dem einzigen Kleid, welches sich auch auf dem Motorrad problemlos tragen ließ, und Schlafsachen. Zwischendurch trug ich auch mal Shorts und Chillerhose, aber wirklich nötig wären die eigentlich nicht gewesen. Sowieso war alles sehr minimalistisch gehalten. Wenn man jeden Tag mehrmals ins Meer springt, macht es einfach nur sehr wenig Sinn sich die Augen mit Kajal und Mascara zu verzieren. Jeglicher Sinn für Ästhetik ging in dieser Woche also verloren :D

Ich halte mich schon wieder nicht an die Reihenfolge. Erstmal muss ich doch erzählen, wie wir überhaupt auf die Insel kamen!! Mein Fahrer holte mich ab und brachte mich in Bangkok zum Busbahnhof. Dort traf ich meine Freunde und wir…. gingen erst einmal Essen. Habt ihr etwas anderes erwartet!? Dann stöberten wir noch ein bisschen durch eine kleine Buchabteilung und setzten uns dann in unseren Reisebus. Klasse VIP. Riesige Sitze. Decken vorhanden und benötigt. Leider herrschte über weite Strecken der Fahrt ein gewöhnungsbedürftiger Geruch, um nicht zu sagen: Gestank, vor. Und wir hatten eine nervige, zickige und leider deutsche Mitreisende. Trotzdem hielt uns nichts davon ab zu scherzen und später auch ein Nickerchen zu halten.

RanongIn Ranong kamen wir sehr, sehr, sehr früh morgens an. Ich glaube es war etwa fünf. Auf jeden Fall war es noch dunkel. Beim Aussteigen aus dem Bus herrschte totales Chaos. Wir wussten nicht wirklich wohin und so ließen wir uns natürlich gleich vom Erstbesten verarschen. Er war mit einem Pick-Up da und wollte uns zum Hafen bringen. Ohne groß nachzudenken stimmten wir dem viel zu teuren Preis zu. Aber immerhin konnten wir wieder eine Fahrt hinten auf der Ladefläche genießen und unsere Koffer hatten auch alle Platz. Ein bisschen frisch war es und leider ist Ranong eine Stadt die ganz typisch und unappetitlich nach Fisch stinkt. Das war am Hafen, der sich hauptsächlich als sumpfiges Drecksloch herausstellte, natürlich nicht besser. Wir entfernten uns von der Abzockermasche („setzt euch doch noch zu uns in den Laden, das Boot kommt erst in ein paar Stunden, esst doch noch eine Kleinigkeit was!“) und warteten wie nach und nach einige andere Touristen eintrudelten, die wohl ebenfalls auf die Insel wollten. Deutsche! So viele nervige deutsche Touristen!! Das war unglaublich. Genauso unglaublich wie der Gestank, so dass mir der Zigarettenqualm, den meine Freundinnen auspusteten, irgendwie schon wieder willkommen war. Und dabei steht der Rauch von Zigaretten auf meiner Liste an negativen Gerüchen doch ziemlich weit oben. (Aber man gewöhnt sich an alles, auch ans Passivrauchen xD)
Koh Phayam IslandKoh Phayam IslandWir gönnten uns dann Fahrkarten für ein „Speedboat“ nach Koh Phayam, weil wir langsam wirklich eins waren: Reif für die Insel! Die nächtliche Fahrt hatte uns geschlaucht, wir waren müde, längst nicht mehr frisch und wollten den Gestank und den Touristen entkommen. Allerdings mussten wir dafür noch einige Zeit warten, die Sonne aufgehen sehen und den anklopfenden Hunger zurück drängen. Sobald wir auf dem Boot saßen wurde es aber besser. Eigentlich saßen sonst nur Thais mit uns im Boot (den ganzen Sparfuchs-Abenteurer-Touristen war das wohl zu viel Luxus) und mit jedem Meter, den wir uns von Ranong entfernten wurde das Wasser schöner und der Gestank weniger.

Endlich auf der Insel gab es erst einmal wieder etwas zu essen und dann telefonierten wir unsere Freunde (Penthouse + Thai-Freundin aus Khon Kaen) an, die bereits am Tag zuvor auf der Insel angekommen waren. Sie verrieten uns, welchen Strandabschnitt und welche Unterkunft sie ausgewählt hatten und dort ließen wir uns mit dem Motorradtaxi hinfahren. Viel anderes an Verkehrsmitteln außer Motorräder gibt es dort nicht. Ich saß zum ersten Mal hinten auf so einem Fahrzeug und nach ersten Vertrauensschwierigkeiten hab ich die Fahrt doch extrem genossen muss ich sagen :D

Wir bezogen unser Zimmer: Zu viert ein Zimmer! Dort standen zwei queensized Betten mit jeweils zwei rosaflauschigen Deckchen und einer Moskitonetz-Vorrichtung. Außerdem gab es eine kleine Kommode (die wir lieber nicht anrührten) und einen kleinen Tisch mit Spiegel (die einzige Ablage, die wir wirklich zu benutzten wagten). Dann hatten wir ein Badezimmer mit Waschbecken, in dessen Abfluss irgendwas Ekliges fest hing, einen Duschkopf, eine Wassertonne (die wir nicht genauer untersuchten) und eine Toilette (welche wir erst einmal mit Desinfektionsmittel bekämpften)…. ehmn ja. Dieses Zimmer, welches sich nur mit einem Vorhängeschloss, das erwiesenermaßen bereits einmal versagt hatte, abschließen ließ – von den Fenstern wollen wir mal gar nicht reden – teilten wir uns übrigens mit jeder Menge Kakerlaken. Ihr seht also… dieser Ort hatte wirklich seine Schattenseiten. Übrigens hatten wir Strom nur von 18 Uhr bis Mitternacht und genau eine Steckdose. Bei vier Mobiltelefonen könnt ihr euch vorstellen wie das ablief :D Zwar war der Internetempfang eh schlecht und meistens brauchte man das Handy dann doch nicht, aber ein unaufgeladener Akku kann einen schon mal nervös machen.

Nächstes Mal suche ich mir eine Unterkunft die sauberer ist und einen eigenen Generator hat :D Dann gibt es nämlich auch zum Frühstück Fruchtshakes ;)
Koh Phayam IslandKoh Phayam IslandKoh Phayam IslandDen Hund tauften wir übrigens Deborah :D

Ich hatte ja schon erwähnt, dass Meer bei mir bisher hauptsächlich dem schönen Anblick diente. Glück für mich war, dass an Tag 1 das Wasser wirklich klar war. Das war an anderen Tagen zwischendurch wieder anders, aber so habe ich mich schon gleich am Anfang hinein getraut und mit dem Wasser angefreundet. Zum Glück, zum Glück, zum Glück. Denn ich verbrachte in diesen Tagen wirklich viel Zeit im Wasser und mir wäre unglaublich viel Spaß entgangen, wenn ich bei „knietief“ geblieben wäre und meinen Freunden beim Kampf mit den Wellen nur vom Weiten zugesehen hätte. Das Wasser war klar, sauber (das war es die anderen Tage auch, nur manchmal trübte halt aufgewirbelte Sand die Sicht) und traumhaft —– wären da nicht diese pieksigen, fiesen Nesseltierchen. Zumindest haben wir gegoogelt, dass es wohl solche sind. Ich habe noch nicht ganz verstanden wie sie funktionieren, weil manchmal piekst es wirklich nur ganz leicht für eine Sekunde und dann aber manchmal auch wirklich heftig, schmerzend und man spürt es noch Minuten nach. Teilweise haben sich auf meiner Haut auch ganz eklige Quaddeln gebildet, die mich ganz schön erschrocken haben. Aber ist wohl alles normal und ungefährlich. Nur manchmal hat es einen fast den Spaß verdorben. Außerdem war da noch der Glibber. Ich weiß nicht, ob das das Gleiche war wie die Pieksertierchen, weil es eigentlich nicht piekste wenn man es in die Hand nahm. Aber es war ganz schön eklig, wenn man einen Schwimmzug tat und solche Glibbertiere zwischen den Fingern hindurchflutschten. Oder wenn sich am Strand am Ende der Wellenlinie der ganze Glibber absetzte. Wir sind trotzdem immer und immer wieder ins Wasser. Zu Beginn hatten wir auch noch eine Luftmatratze zur Verfügung, später ein Boot mit zwei Paddeln. Aber es hat auch Spaß gemacht sich einfach so mit den Wellen anzulegen.

Die Tage hätten nie enden müssen. Wenn ich  nicht im Meer war, ging ich am Meer entlang und sammelte auf teilweise sehr langen Strandspaziergängen in der wunderbar warmen Sonne wunderschöne Muscheln. Oder lag auf der Holzplattform unterm Schirm im Schatten und döste vor mich hin. Es gab auch einen Takraw, mit dem wir an einem Abend kurz spielten. Oder wir fuhren mit dem Motorrad auf den wenigen Wegen, die diese Insel hat, zu den wenigen Zielen die es gibt. Oder wir haben gegessen. Meistens zwei Mahlzeiten am Tag. Irgendwie war halt alles wirklich sehr minimalistisch. Aber ehrlich? Meine tollen Freunde, das Meer, die Sonne, Wind in den Haaren und thailändischer Rum am Abend – das war mir genug. Einfach fallen lassen und in den Tag hinein leben.

Koh Phayam IslandKoh Phayam IslandAn einem Tag waren wir auch an einem anderen Strandabschnitt, einer wunderschönen ruhigen Bucht. Hier gab es keine tobenden Wellen und über eine weite Strecke konnte man im flachen Wasser hinaus laufen. Und auch viele Meter weiter war es so klar, dass man den Grund sehen konnte. <3

Koh Phayam IslandKoh Phayam IslandKoh Phayam IslandHier gab es abends auch einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Koh Phayam IslandÜberhaupt hatten wir immer ganz tolle Sonnenuntergänge. Schrecklich romantisch. Noch romantischer als die Sonnenuntergänge, falls das irgendwie geht, war aber der Sternenhimmel.Koh Phayam IslandKoh Phayam IslandKoh Phayam IslandWenn um dich herum die Insel das Licht aus macht und du am Strand lang gehst. Das Meer rauscht neben dir und die Nacht ist klar und warm, die Hitze des Tages aber nur noch eine Erinnerung. Im feuchten Sand leuchtet dann und wann ein kleines Glibber blau auf. Und wenn du hoch guckst und der Himmel ist übersäht mit Sternen. Wow.Koh Phayam IslandIrgendwie fühlt man sich bei dem Anblick glücklich und klein und einsam gleichzeitig. So viel Schönheit auf einmal ist manchmal schwer zu ertragen. Die Nächte hätten genau wie die Tage nie enden müssen. Selbst wenn wir dann in die Betten gehuscht sind, hat man das Meer noch gehört und in mir schwellte einfach permanent so viel Glück und Sehnsucht, dass ich mich wunderte, wie ich einfach so ruhig da liegen konnte.

Koh Phayam IslandKoh Phayam IslandKoh Phayam IslandHaha… voll viele Sonnenuntergänge. Übrigens Kamera und Handybilder gemischt. Aber das war es jetzt für diesen Eintrag mit Fotos, viel mehr Kitsch verträgt dieser Eintrag auch nicht mehr. Und ich weiß, es ist nur eine Insel und es gibt bestimmt auch noch schönere. Aber für mich war es einfach eine besondere Zeit (auf der Insel und im gesamten restlichen Urlaub), nicht zuletzt wegen der Leute, die mit mir dort waren.

4 Gedanken zu „Koh Phayam

  1. die sonnenuntergangsbilder sind ein traum, mein favorit ist jedoch das mit den flipflops. hatte gestern zufällig eine ähnliche idee in einem wiener strandbad ;) die bucht gefällt mir auch sehr.
    was du über deine erinnerungen schreibst kann ich nur zu gut nachvollziehen, so geht es mir mit meiner amerikareise gerade auch.

  2. Wenn man deinen Text so liest, möchte man am liebsten auch ganz schnell auf die Insel und einfach die Seele baumeln lassen. Die wunderschönen Sonnenuntergang-Bilder unterstützen die Sehnsucht auch noch sehr gut ;)

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